Komme Auf Die

Dunkle Seite Der Macht!

Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld.

Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß und die Geduld gibt Ruhe. Hermann Hesse (1877 - 1962)

This Is VaderBase

Rasender Falke - Die Wahrheit Teil 7 von 7

Pareidolie

Unter dem Einfluss einer akuten Form der Rasender-Falke-Pareidolie (das Phänomen, in Dingen und Mustern vermeintliche Gesichter und vertraute Wesen oder Gegenstände zu erkennen) habe ich zunächst die Umrisse hier erkennen wollen: Aber die Aries 1B, die in der Clavius Mondbasis landet, erinnert jedoch nur sehr entfernt an den Falken. Wer jetzt entsetzt „Tis but a strech!“ raunt, hat Recht. Keine Sorge, die tatsächliche Lösung ist ungleich stichhaltiger und präzise belegt.


Discovery Übersicht

Schauen wir uns zur Einstimmung aufs große Finale einmal diese Illustration der Discovery an. Die EVA-Pods, die Zentrifuge, der Computerraum, die Luftschleuse… alles ist da.

2001: Zentrifugen-Bühne

Dabei fällt mir eine spezielle Szene aus 2001 ein: die Aufnahmen in der Zentrifuge wurden in nur einer einzigen Einstellung gefilmt, als unten Bowman entlanglief (nachdem er die Leiter heruntergeklettert war) während oben überkopf Poole am Tisch saß und aus den weißen Schälchen diese bunten Soylentbreie mit dem Besteck von Arne Jacobsen aß.

(das Besteck benutze ich selbst, aber ich halte es im gleichen Maße so schick wie unpraktisch. Die heute erhältlichen Abklatsche von Georg Jensen sind von erbärmlicher Qualität und allenfalls als erkennbar ähnlich zum Original, das 1957 zusammen mit anderen, organischen Designikonen wie dem Egg-Chair für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen kreiert wurde, zu bezeichnen.
Ich habe mir ein paar Originalstücke des Bestecks aus England nach dem Brexit besorgt. Die Zoll- und Abwicklungkosten waren absurd hoch und der ganze Papierkram war nervig und der Grund, nie wieder von dort etwas zu bestellen. Vor dem Brexit habe ich sehr gern viele Dinge dort unkompliziert gekauft: Plattenspieler, Düsentriebwerksteile, Vaderhelme, Zeitschriften, Stimmwandler, Bücher.
Neben dem Plattenspieler ist das schon das zweite Objekt, das sich nun sowohl bei mir im Haushalt als auch im MoMA befindet. Ich werde ja noch bald zum Böhme hier. Und gehe zu einer Verniss-AG und trinke Prosettscho).

Poole aß also kopfüber unter der Decke hängend seinen Brei, während Bowman unten entlanglief. Dieser Effekt wurde wieder mit der sich drehenden Kulisse erzielt aber Poole musste genau wie alle anderen Gegenstände dann eben fixiert werden, da der Effekt „in camera“, also direkt während der Aufnahme erzielt werden sollte und nicht erst im Nachgang durch Spezialeffekte wie doppelter Belichtung, Matte-Gemälde oder anderer Tricks. Das hätte ohnehin ungeahnte Schwierigkeiten bereitet, da die Kamera in dieser Szene geschwenkt wird und eben nicht statisch ist.

Spiegelszenen ohne Spiegel

Für solche Einstellungen ist stets ein besonderer Aufwand von Nöten wie in der berühmten Spiegelszene aus Terminator 2, in der der Spiegel, der die Kamera sonst zeigen würde, durch identisch aussehende und sich synchron aber spiegelverkehrt bewegende Schauspieler simuliert wird. Es war übrigens die Zwillingsschwester von Sarah Connor/ Linda Hamilton (Leslie Hamilton Freas).
Wenn es schnell und günstig gehen soll, wird auch wie bei einem guten Zaubertrick die Aufmerksamkeit des Publikums einfach woanders hingelenkt, während die Kamera ganz hemdsärmelig getarnt wird wie in Matrix (1999), wo man die unvermeidliche Reflektion der Kamera kaschierte, indem man sie mit einer Lederjacke abdeckte und die Krawatte von Morpheus optisch verlängerte.


Also musst Poole festgeschnallt werden, die Haare wurden fixiert, die Kleidung wurde an Ort und Stelle angebracht und der Brei… ja der Brei sollte ja gegessen werden und daher konnte er nicht fest wie Beton sein.
Leider war die Viskosität der schnodderigen Spacemahlzeit etwas zu gering und kurz nach dem „Action!“-Ruf von Kubrick, der stets auf äußerste Sauberkeit viel Wert legte (und auch alle Beschriftungen und sämtliche Details stets ausnahmslos nahaufnahmentauglich haben wollte) und für makellose Kulissen stundenlang auch kleinste Staubkörnchen mit spitzen Fingern entfernen ließ, klatschte die grüne Pampe aus luftiger Höhe auf den feinporigen, bis dahin noch sterilweißen Boden der gerade noch makellosen Zentrifuge und zerspratzte in unendliche, epische Weiten.
Entsetzte Blicke, dröhnende Stille.
Kubrick geht erstmal eine Pause machen.
Dröhnende Stille ist hier nicht nur als Oxymoron sondern auch tatsächlich wörtlich zu verstehen, denn die ganzen Projektoren und Lüfter für die Lampen machten einen Mordslärm: jedes Flachbildschirmcomputerdisplay war in Wirklichkeit nur ein ratternder Projektor und die ganzen Lampen zur unfassbar aufwendigen, schattenvermeidenden, direkten und indirekten Ausleuchtung mussten ständig gekühlt werden, damit die sie nicht in noch höherer Frequenz krachend explodierten.

Hühnerdrahtkäfig

Die unberechenbar herunterfallenden Glassplitter der Leuchtmittel waren so gefährlich, dass ein Schutzkäfig aus Hühnerdraht um Kubricks Regisseurplatz am Boden des Zentrifugenkarussells gebaut werden musste.
Hans Kurt „Harry“ Lange und Frederik I. Ordway III sind auf den unteren Bildern zu sehen, wie sie Ihre Kreationen begutachten und prüfen.


Distorted Information


Nun also endlich das Finale. Dazu nehme ich dieses Buch zur Hand: "The Making of Stanley Kubrick's '2001: A Space Odyssey". Aus dem Taschenverlag. Der heißt übrigens nicht Taschenverlag, weil es ein verkrampft lustiges Wortspiel sein soll (à la „Taschenbuch“), sondern weil der Gründer mit Nachnamen „Taschen“ heißt.
Apropos Wortspiel: Bevor ich nun zur alles entscheidenden Seite blättere, fällt mit noch ein, dass die deutsche Synchronisation einen Wortwitz leider etwas hat untergehen lassen.
"Distorted information" wurde bei 1:02:02 übersetzt mit "unklare Informationen". "Distorted" passte jedoch besser zur Szene, da hier eine durch das Fischaugenobjektiv (Cinerama Fairchild-Curtis Weitwinkel Objektiv mit 160° Sichtfeld an der Kamera, dazu als Requisite des Hal9000-Interfaces ein Nikon 8mm f8 Objektiv) verzerrte Sicht von Hal9000 auf das Innere der Discovery gezeigt wurde.
"Distorted" bedeutet ja verzerrt, ein Ausdruck, der in der Fotografie häufig verwendet wird.
Die "unklare Information" unterschlägt diesen genial visualisierten Sprachwitz leider gänzlich.

Kubrick hatte eine Vorliebe für ungewöhnliche exklusive Technik und Objektive: so hat er ein ZEISS Planar 0.7/50mm, das lichtstärkste Filmobjektiv der Geschichte, für seinen ohne Kunstlicht (aber mit extra hellen Kerzen, die dafür drei Dochte besaßen) gedrehten Film Barry Lyndon (1975) genutzt. Von diesem Objektiv wurden nur zehn Stück herstellt, sechs davon für die NASA (gedacht war es für die Fotografie der dunklen Rückseite des Mondes; durch die NASA gibt es allerdings keinen Beleg. Für die Fotos der Monderkundung und -landung 1968/69 wurden ZEISS Biogon-Objektive genutzt.). Man konnte sich tatsächlich 2013 dieses Objektiv auch mal mieten für schlappe 3.500 EUR pro Tag.


ich mag natürlich auch besondere Objektive.

Brennweite und Verzerrung

Der Irrglaube, dass ein Objektiv mit geringer Brennweite/ Weitwinkelobjektiv das Bild verzerre, ist auch in Profikreisen weit verbreitet. Tatsächlich ermöglicht/ fordert jedoch ein Weitwinkelobjektiv nur, dass man näher an das Motiv herantritt. Die Verzerrung wird durch die Entfernung/ geringe Distanz zum Motiv erzeugt, nicht durch das Objektiv.
Dazu habe ich einen Versuch zur Demonstration vorgenommen, der zeigt, dass das Motiv sowohl mit einem 8 mm Objektiv als auch mit einem 60 mm Objektiv nahezu identisch aussieht bei gleicher Distanz zwischen Motiv und Kamera). Die sogenannte Verzerrung ist auch tatsächlich lediglich der Perspektive und Nähe geschuldet, die einfach mehr vom Motiv abbildet- eine reale Verzerrung ist es nicht.
Zur besseren Veranschaulichung wurden hier zwei Bilder erstellt von einem Fahrrad: einmal mit einem 15 mm Weitwinkelobjektiv und einmal mit einer Vielzahl von Fotos mit einem 70 mm Objektiv. Die einzelnen Aufnahmen des 70 mm Objektivs wurden anschließend zu einem einzigen Panoramabild zusammengeschnitten. Es ist leicht erkennbar, dass beide Bilder nahezu gleich aussehen.)



Der Name "HAL9000"

Der Name des alle Menschen kaltblütig umbringenden, neurotischen, lügenden, manipulierenden Computers HAL9000 stammt vermutlich von J. Halcombe Laning (3), der engen Kontakt zum Kubrick kritisch beratenden Marvin Minsky hatte. Arthur C. Clarke bestritt stets, dass HAL aus einer -1 Caesar-Verschlüsselung (1) von IBM entstand (einen Buchstaben im Alphabet zurückgehen: aus I wird H, aus B wird A und aus M wird L) und gab an, HAL sei ein Akronym aus "Heuristic ALgorithmic" (2).
Der Gleichklang aus "HAL" und "hell" (englisch: "Hölle") kann aber auch als unerbittliche Anklage verstanden werden, die IBMs Machenschaften (4) offenlegt.

Product Placement from hell

IBM wusste bis zur Fertigstellung des Films nichts von dieser diabolischen Darstellung der Technik und war entsprechend nicht gerade begeistert af, bereute die enge Zusammenarbeit, die mehrfache Verwendung des IBM Logos und die einhergehende Erinnerung an die Zusammenarbeit mit Hitler, die in der EDV für den Holocaust mündete.
Die ganze Ambivalenz und Mehrschichtigkeit des Films wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass ausgerechnet die mordende Maschine sich am menschlichsten verhält (HAL beschreibt seine Gefühle beim "Sterben", also dem sukzessiven Deaktivieren seiner Speicherplätze. Dazu fragt er wie ein kleines Kind, ob der ihn umbringende Bowman ein Lied hören möchte, das HAL früher gelernt habe), während die Astronauten sich beschreiben lassen mit Attributen wie gefühlskalt, regungslos, unerbittlich, wortkarg, emotionslos, beherrscht, teilnahmslos, empathielos, kriegerisch, aggressiv, kontrolliert, rational, sachlich, nüchtern, mordend, stoisch, monoton und roboterhaft.
Was beide Parteien vereint, ist die Neugierde.









































Die Antwort auf die endgültige Frage nach dem Falken, dem Ursprung und dem ganzen Rest

Hier also nun endlich die alles entscheidende Seite Einhundersechsundneunzig (Seite 196 von 'The Making of Stanley Kubrick's '2001: A Space Odyssey', Autor: Piers Bizony, Verlag: Taschen, ISBN-13: 978-3836584371) der Erkenntnis:


Ich nehme ganz simpel eine Schere zur Hand, schneide die einzelnen Formen und Segmente der von Kurt Lange gestalteten Discovery aus und lege sie einfach an andere Stellen.
Um die Größenverhältnisse zu erklären, schauen wir uns maßstabsgerecht die gebaute Tantive IV an. Das Cockpit wurde ja bei der Tantive abgenommen und an den Falken montiert. Die Tantive IV selbst hat ja diese Farbeimer als Cockpit bekommen.
Wenn man das Cockpit an der mittigen Position behalten will, ergibt sich mit den Triebwerken der Tantive und der neuen Discovery-Falken-Form dieses Gebilde, das aussieht wie eine Frisbee mit Düsen.
Die Größen passen unverändert perfekt aufeinander und auch die Positionen der Taillen-Tunnel und der Kanonen vorne passen. Genau dieser Discovery-Plan wurde für die Schritte benutzt, ein weiterer Plan zeigt auch die übereinandergelegten Umrisse der Ursprungsversion der Tantive IV mit den noch kürzeren Düsen.
Wenn nun das Cockpit entnommen wird, um die Form asymmetrisch unverwechselbar und insgesamt schöner, formvollendeter und ästhetisch stimmiger zu gestalten, ergibt sich die charakteristische Lücke in der Front und die Keile treten hervor.
Jetzt noch das Segment von der Discovery spiegeln und etwas drehen und schon kann das Cockpit an die richtige Stelle gesetzt werden.
Siehe da, es passt und fügt sich ganz von allein und geschmeidig zu einer uns allzu bekannten Form zusammen.
Das Cockpit hat nun aber nur noch eingeschränkte Sicht nach links, daher der Mondfisch-Drehkanzeltrick, der dem Geiste der technischen Plausibilität Langes Rechnung trägt wie alle Desgins des Films und seiner Nachfolger bis hin zu den Sequäls.

Die Position der Antriebsabdeckungen, die Anzahl der Abdeckungen, die Größe des Antriebssegments, der Winkel des Antriebssegments, die eingekerbten Tunnelgänge an der Querachse, sogar der Winkel des asymmetrisch seitlich angebrachten Cockpits passt perfekt.
Die Keile (mandibles) vorne ergeben sich exakt ebenso wie die Positionen der runden und auch der trapezförmigen Vertiefungen in der Oberfläche.
Der Goldene Schnitt hilft wieder einmal, alles organisch und wohlproportioniert erscheinen zu lassen.

Alle Aspekte sind hier in einer Animation zusammengefasst:





Hier wurden die Versionen übereinandergelegt, um auch spätere Triebwerkslänge zu berücksichtigen:



Resümee

Ich fasse nochmals zusammen und betrachte die Situation aus der Perspektive von Ockhams Rasiermesser oder Skalpell aka „Ockham’s Razor“: Dieses Prinzip wird auch Sparsamkeits- oder Ökonomieprinzip genannt und besagt, dass zur wissenschaftlichen Erklärung einer Sache keine unnötigen Entitäten angenommen werden sollen. Oder anders ausgedrückt: Von mehreren möglichen, hinreichenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen. Ein moderne Variante dieses Prinzips ist auch unter dem Slogan „Keep it simple and stupid“ bekannt, die Abkürzung lautet KISS. Gruß an Burkhardt an dieser Stelle.
Wir haben also auf der einen Seite Hans Kurt „Harry“ Lange, 46 Jahre alt, mit jahrelangen, vielfältigen Erfahrung im Design von Raumschiffen und NASA-Illustrationen, vertraut mit allen technischen Details und Anforderungen und der Ästhetik, um für Wernher von Braun und die NASA Visualisierungen erstellen zu können, die technisch absolut plausibel und ernsthaft sind aber gleichzeitig die nötige Dramatik erzeugen, um die notwendigen Millionen-Budgets mit voller Unterstützung aus der Bevölkerung und von Ingenieuren zu erhalten. Zusätzliche hatte Herr Lange jahrelange Filmerfahrung und Auszeichnungen- eine einzigartige Kombination. Dazu kommt noch Frederik I. Ordway III, 49 Jahre alt, Wissenschaftler für Raumfahrt, Harvard Absolvent, der als wissenschaftlicher Berater mit Herrn Lange zusammenarbeitete für 2001.
Lange und Ordway III haben mit über 50 spezialisierten, etablierten Unternehmen engen Austausch betrieben, um jeden Aspekt von 2001 so plausibel wie möglich zu gestalten. So wurde z.B. der Raumanzug mit Tasten am Arm ausgestattet, die auf austauschbare Datenmodule im Helm zugreifen konnten.
Auch Arthur C. Clarke, Science Fiction Schriftsteller, Visionär und Physiker (er hat 1945 bereits geostationäre Satelliten beschrieben, die Umlaufbahn ist nach ihm benannt: „Clarke-Orbit“, auch sah er das Internet 1964 voraus, dazu Smart Phones, Gentechnik, KI, 3D-Drucker und viele Dinge mehr) war maßgeblich beteiligt am umfassenden Prozess, die Geschichte, die Gestaltung und die Details möglichst durchdacht zu erstellen.

Lange hat also in etablierter Kreativtradition seinen eigenen alten Plan der Discovery professionell modifiziert und daraus etwas Neues geschaffen: den Rasenden Falken.

Auf der anderen Seite haben wir Joe Johnston, 26 Jahre, Student, keinerlei Berufserfahrung oder Zugang zur Raumfahrt, als Aushilfe mit der Sprühpistole engagiert, um Modelle zu lackieren und nebenbei war er optional für ein paar Storyboard-Zeichnungen (die nicht das Design als Schwerpunkt beinhalten, sondern nur die Visualisierung von Design), zusätzlich zu einer Vielzahl anderer Storyboardkünstler eingeplant.
Neben der Tätigkeit als Darsteller, Zeichner, Student und Lackierer hat er also "im Vorbeigehen" den Falken zusätzlich einfach so gestaltet beim Anblick wahlweise eines Stapels schmutziger Teller, einer Pizza oder Hamburgers.
Es selbst hat die Hamburgergeschichte zwar selbst als „Mythos“ bezeichnet, aber diese Aussage hat er mittlerweile wieder gelöscht und sich unverändert auf die unsägliche Hamburger-Teller-Ufo-Geschichte zurückgezogen.
Leider es gibt ja auch keinerlei Entwicklungskonzepte oder Zwischenschritte der Gestaltung der runden Form.
Johnston soll also quasi aus dem Nichts heraus den Falken über Nacht erschaffen haben und dabei hat er offenbar ganz zufällig den Plan der Discovery nachgebaut inklusive aller Details wie Umriss, Keile, Triebwerksdeckeln, Cockpitposition, Tunnelanschnitt, Antriebsform usw.: das ist ja vielleicht nur ein unfassbarer Zufall so wie die theoretischen unendlich tippenden Affen ja auch per Zufall erstaunliche Werke hervorbringen.
Aber leider waren nur zwei Tage Zeit, statt einer stattlichen Unendlichkeit.
Oder aber er hat Langes Plan genutzt und einfach aus guten Gründen vergessen, es jemals zu erwähnen oder auch nur anzudeuten. Oder er hat gar nichts gemacht, außer das fertige Modell, das Herr Lange aus seinen eigenen Plänen erschaffen hat, anzusprühen und später wurde er als kurzerhand als der Gestalter präsentiert, um dem Ruhm eine Projektionsfläche mit Oscarvereinszugehörigkeit zu bieten (so wie Roger Christian). In erster Linie ging es natürlich darum, alle in Frage kommenden Oscars verliehen zu bekommen, um dadurch die maximale mediale Unterstützung für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg des Films nutzen zu können- und das war eben nur möglich, indem man eine Person präsentierte, die die formalen Voraussetzungen mitbrachte. Also bekam Johnston den Oscar statt Lange und es wurde flugs ein fadenscheiniges Märchen gesponnen, das das Wunder der Gestaltung durch den Studenten über Nacht leidlich glaubhaft machen sollte.
Die Erklärung des Zustandekommens der legendären Gestaltung wurde aber ja bisher in keiner vernünftigen Weise gegeben.

Wem also hat George Lucas zum kritischsten Zeitpunkt der Produktion (Budget- und Zeitplan waren bereits überschritten und die Produzenten drohten mit Kürzungen oder Streichung des Projekts) wohl das Schicksal seines alles verschlingenden Films (Geld, Zeit, Ehe, geistige Gesundheit) in Form der Gestaltung des wichtigsten Raumschiffs anvertraut? Dem bereits etablierten und tätigen Chefdesigner Hans Kurt Lange mit Kontakt zu Frederik I. Ordway III und Arthur C. Clarke oder doch Joe Johnston?
Die Antwort ist allzu augenfällig und selbst Ockhams Skalpell lässt natürlich nur eine einzige elegante Lösung zu: Harry Lange.

Ein letztes Detail noch: der "mechanische Wasserskorpion" wurde natürlich auch nicht nur einfach zufällig erschaffen von den Modellbauern aus beliebigen Teilen gerade zur Verfügung stehender Bausätze anderer Modelle ("kitbashing"), sondern er wurde anhand des detaillierten Plans der Discovery von Herrn Hans-Kurt Lange erstellt. Die Vektorschubdüsen wurden in Form, Anzahl und Abstand natürlich auch exakt so erstellt. Selbst die runden Ventilationsöffnungen und die rechteckigen Strukturen vor den hintern drei Abdeckungen (die aus dem Panzermodell "Panzerkampfwagen V Panther, Sd.kfz 171, Ausf. A, Tamiya, No. 35065, 1:35 stammen. Die Querstangen sind vom Yardley McLaren M23, Ford, 1974, Tamiya, No. 12017, 1:12) sind en détail aus dem Plan heraus belegt.





Epilog mit weiteren Gedanken

Die EVA Pods sind übrigens drehbar gelagert. Die Vorderseiten können somit für Wartungsarbeiten leichter erreicht werden und die konspirativen Gespräche können besser vom neurotischen Todescomputer belauscht werden im Dienste einer anregenden Handlungsentwicklung. Auch können die Pods die robusten Rückseiten in Richtung Außenwand der Discovery zeigen lassen. Sollte ein Meteroid die Außenwand der Discovery während des Flugs durchschlagen, würde die Rückwand des Pods wie ein Hochgeschwindigkeitseinschlagschild (Whipple Shield) funktionieren. Dieser zusätzliche Schutz würde kein extra Gewicht bedeuten, was für Raumfahrt immer von sehr großer Bedeutung ist. Die empfindliche Front der Pods ist mit Glas, Lampen und filigranen Mechanikarmen bliebe in dieser Kontellation ebenfalls geschützt. Bei einem Einschlag (Druckabfall, Erschütterungssensoren) würden die Pods automatisch gedreht werden, damit die Astronauten unverzüglich in die Rettungskapseln einsteigen können. Zusätzlich sieht es natürlich auch im Film einfach besser aus, wenn die Vorderseiten der Pods zur Kamera zeigen.


Apropos konspirative Gespräche belauschen:





Drei Reminiszenzen

Es gibt also drei wesentliche Reminiszenzen an 2001, die in Krieg der Sterne auftauchen: das EVA Pod in Episode I (und subtiler in IV), den Monolithen in Episode IV und den Rasenden Falken in jeder einzelnen Episode (bis auf I und II).
Darüberhinaus ist Hans-Kurt Lange verantwortlich für das Design des Todessterns (entstanden aus der Discoverykapsel), der Jedi Training Remote, des Sternzerstörers, des Jawa Sandcrawlers, der Slave 1 und des Raketenrucksacks von Boba Fett.

Die Ursprünge der Slave 1

Zum Schluss noch die Aufklärung, woher der Slave 1 kommt:
er hieß ja, die Straßenlaterne sei die Inspiration gewesen. Könnte ebenso ein Bügeleisen gewesen sein...


Hier wird erzählt, dass der angeblich so vielbegabte und umtriebige Joe Johnston einige Entwürfe vorlegte, die Herr Nilo Rodis-Jamero in schnelle weitere Zeichnungen umsetzte.
In Rodis-Jameros Erinnerung (Star Wars: The Annotated Screenplays, Seite 212) habe er eine runde Radarschüssel als Grundlage der ebenfalls runden Gestaltung benutzt. Ein Kreis sieht von der Seite betrachtet ja wie eine Ellipse aus und diese Perspektive wurde auch benutzt. Aus recht unerklärlichen Gründen habe nun George Lucas (der Herr mit dem Hamburgermärchen) fälschlicherweise angenommen, das Raumschiff habe eine elliptische Form und dann wurde das Raumschiff eben auch tatsächlich elliptisch. Die Straßenlaternenvorlage nennt Herr Rodis-Jamero ebenso unzutreffend wie Joe Johnston es mit der Hamburgergeschichte tat.
Abgerundet wird die übliche Mischung aus Pseudo-Erklärungen und angeblichen Zitaten Dritter zur Vertuschung der wahren Urprünge durch die auch stets vorkommenden Widersprüche: Harrsion Ellenshaw gab im Interview 2020 (also satte 40 Jahre später...) an, dass Nilo Rodis die Slave 1 anhand einer Straßenlaterne gestaltet habe.


Nehmen wir nun einfach eine "zufällig" gewählte Radarschüssel zur Illustration dieser Geschichte:

Ja, es ist die Radaranlage, die Hans Kurt Lange gestaltet hat. Der Kreis schließt sich.
In der Speisekarte mit Comics für Kinder (es ist kein für Kinder geeigneter Film, so viel steht fest. Ich hatte jahrelang unerklärliche Alpträume, als ich diesen Film als Kind sehen durfte) gibt es eine weitere Übereinstimmung: Die von der Seite betrachtete Radarschüssel sieht wie erwartet elliptisch aus.
Wenn ich nun die rechte Struktur nehme, und dazu auch Foto vom Film hinzuziehe, so ist offensichtlich, dass auch die Slave 1 zu 100 % auf Grundlage des Designs von Lange basiert.

Boba Fett

Ein letzter Nachtrag:
Joe Johnstons erste Boba Fett Entwürfe sind oben zu sehen. Einfach Kurt Langes Design aus 2001 hinzufügen, fertig ist der Boba Fett, den wir kennen.




Hans-Kurt Lange, the unsung hero of Star Wars design





Die Auflösung des Rätsels in der Einleitung (die "nicht ganz exakte Zuordnung des Falken") lautet: es handelt sich entgegen des erscheinenden Filmposters nicht um den Falken aus Episode IV, sondern um den Falken aus Episode V, wie man an der von drei auf fünf angewachsenen Zahl der Landefahrwerke erkennen kann.

Der LKW stammt übrigens aus T1.


So, ik glov irgendwann is' auch mal Schluss...









 
 

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